Frage: Frau Blankenhorn, Sie gelten gleichermaßen als „Enfant terrible“ und „Grande Dame“ der deutschen Wein-Szene. Sie gehören zum VDP, der Elite-Riege der deutschen Weingüter, womit die Qualität Ihrer Weine außer Frage steht. Anfang des Jahres haben Sie mit Ihrem Secco OPTIMISTE® Schlagzeilen gemacht. Jetzt ist Blankenhorn das erste Weingut, das einen Rotwein mit Traubenadler, dem Gütesiegel des VDP, an den Discounter Aldi liefert.
Roy Blankenhorn: Ja, das ist doch toll!
Frage: Ihr VDP-Kollege Hans Lang erntete harsche Kritik, als erstmals ein Weißwein mit dem VDP-Adler auf Aldi-Paletten stand. Erwarten Sie ähnliche Reaktionen?
R.B.: Ich bin es gewohnt, dass mein Handeln polarisiert. Deswegen würde es mich nicht wundern, wenn das Thema „Blankenhorn bei Aldi“ sowohl sehr viel Kritik als auch sehr viel Zustimmung hervorruft.
Frage: Wie werden Sie damit umgehen?
R.B.: Ganz grundsätzlich werde ich darauf verweisen, dass die Blankenhorn'sche Tradition immer auch eine Tradition der Qualitätssteigerung war und dass das Weingut Blankenhorn schon immer ein Vorreiter war. Man denke an die Dauerbegrünung der Rebflächen, die heute eine Selbstverständlichkeit ist; man denke an den immer noch vorurteilsbehafteten Schraubverschluss, der unserem Streben nach höchsten Qualitäten nicht im Geringsten beeinträchtig oder gar geschadet hat – ganz im Gegenteil. Außerdem sollten wir Tradition nicht mit Stillstand verwechseln. Genauso wie beim Anbau und beim Ausbau muss es auch beim Vertrieb eine stetige Entwicklung und Verbesserung geben, um mit den besten mitzuhalten.
Frage: Was hat Sie veranlasst, ein Erzeugnis Ihres Gutes an Aldi zu verkaufen?
R.B.: Die Initiative ging von Aldi aus. Die Anfrage hat mich gefreut, das Angebot hat mich überzeugt: Sehr fair, sehr korrekt, sehr gut. Ein Geschäftspartner, wie man ihn sich wünscht.
Frage: Wie entkräften Sie das Argument, Eliteriege VDP und Discounter Aldi passen nicht zusammen?
R.B. Hier müsste zunächst geklärt werden, was denn nicht zusammenpasst: Die Qualität? Das Image? Die Kundschaft?
Frage: Fangen wir mit der Qualität an.
R.B.: Über die Qualität der VDP-Weine brauchen wir, glaube ich, nicht zu diskutieren. Meine Lieferung an Aldi stammt von den gleichen Reben und aus den gleichen Fässern wie die Lieferung an jeden anderen Kunden. Was die Qualität von Aldi anbelangt: Ich habe persönlich die unglaublich strengen Auswahlkriterien kennen gelernt. Wie beim VDP auch, empfinde ich es als große Ehre für mein Produkt, diese Anforderungen zu erfüllen.
Frage: Und das Image?
R.B.: Weder VDP noch Aldi haben ein einziges, allgemein gültiges Image. Unterschiedliche Käufergruppen haben unterschiedliche Ansichten bzw. Wahrnehmungen. Wir sollten hier die Scheuklappen ablegen: Diese Kooperation bietet uns die beste Gelegenheit, miteinander und voneinander zu profitieren. Eine echte win-win-Situation, wie man neudeutsch sagt. Diese Chance sollten wir nutzen.
Frage: Und worin kann oder wird dieses gegenseitige Profitieren bestehen?
R.B: Ganz einfach und ganz allgemein: Händler punkten mit der Qualität der Ware. Erzeuger profitieren von der Marktstellung ihrer Händler.
Frage: Sie sprechen über den Verband in seiner Gesamtheit. Was sagen Sie einzelnen Winzern?
R.B.: Dass das Abnahmepotential von Aldi eine Chance für eine Vielzahl von Weingütern darstellt.
Frage: Und was sagen Sie Ihren Händlern, die befürchten, die neue Konkurrenz durch Aldi mache ihnen das Geschäft kaputt?
R.B.: Diese Angst ist aus zwei Gründen ungerechtfertigt. Erstens: Aldi verkauft zu regulären Blankenhorn-Preisen. Aldi wird also nicht versuchen, über den Preis Kunden aus den Fachgeschäften abzuwerben, sondern über die Qualität neue Käuferschichten zu erschließen. Zweitens: Unsere Kontingente bei Aldi sind knapp bemessen. Wer via Aldi von Blankenhorn überzeugt wird oder das VDP-Wappen schätzen lernt, wird über kurz oder lang auch ein neuer Kunde im Fachhandel oder beim Weingut sein.
Frage: Und wie argumentieren Sie gegenüber Kunden, die sich durch Ihren Deal mit Aldi gewissermaßen „verraten“ fühlen?
R.B.: Ich denke, auch dass ich auch solchen Reaktionen mit vernünftigen Argumenten begegnen kann. Nämlich: Neuer, zusätzlicher Vertriebsweg, jedoch gleiche Qualität und gleicher Preis. Was spricht dagegen? Alles spricht dafür!
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| Anhang | Größe |
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| Blankenhorn_Interview_Juli2009.doc | 439.5 KB |
| Blankenhorn_Interview_Juli2009.pdf | 1.49 MB |
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Roy Blankenhorn: Die Chefin des VDP-Weinguts Blankenhorn | Download (RGB) |
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Blankenhorn: Spätburgunder Rotwein | Download (RGB) |