Rosemarie „Roy“ Blankenhorn – die Frau des Weins


Schliengen, Oktober 2008

„Die Welt des Weins wird weiblich“ behaupten Rolf Klein und Armin Faber mit ihrem gerade erschienenem Buch „Wein Frauen - Die besten Winzerinnen Europas und ihre Weine“ (AT Verlag, 208 Seiten, ISBN 978-3-03800-3787-9).

„Wird weiblich?“, mit Betonung auf „wird“, mag Roy Blankenhorn, Chefin des Weinguts Blankenhorn aus dem südbadischen Schliengen und eine der in dem neuen Buch porträtierten Winzerinnen, eher spitzbübisch denn widersprechend gefragt haben. Denn für ihr Weinverständnis ist und war Wein schon immer ein ausgesprochen weiblicher Stoff: „Wein ist Emotion, Wein ist Leidenschaft. Kaum eine Pflanze verlangt so viel Fürsorge wie eine Rebe. Kaum ein Erzeugnis gelingt nur mit einem solchen Maß an Hingabe und Liebe wie Wein. Weingenuss ist die pure Sinnlichkeit. Lauter Eigenschaften, Attribute, die gemeinhin dem Weiblichen zugerechnet werden“, sagt die Mutter von drei erwachsenen Töchtern und lacht, wohl wissend, dass sie mit dieser Sicht die Männerdomäne Wein ganz schön in Aufruhr versetzt. Und tatsächlich ist es zu großen Teilen Roy Blankenhorns Wirken – auf dem Gut wie in den Gremien – zu verdanken, dass die Einschätzung „Wein wird oder ist oder war schon immer weiblich“ zunehmend Freundinnen und Freunde gewinnt.

Die Weinkarriere der Winzertochter Roy Blankenhorn begann Ende der 70er Jahre, zunächst als Badische Weinkönigin, später als Deutsche Weinprinzessin. Mit diesen Aufgaben bewies und perfektionierte sie ihre Fähigkeit, Wein als lebendigen Kult zu zelebrieren und erlebbar zu machen. Die hohe Kunst des Weinhandwerks hat sie von der Pike auf gelernt und mit Diplom bestanden: Erst die Winzerlehre bei Bercher in Burkheim und Schlumberger in Laufen, anschließend das Studium der Weinbautechnik in Veitshöchheim bei Würzburg, dem später noch das Diplom des Londoner Wine & Spirit Education Trust folgte. Als sie 1993 die Leitung des Familiengutes von ihrem Vater Klaus Blankenhorn übernahm, war sie die erste Frau, die ein Weingut in Eigenregie und – wie sich zeigen sollte – mit nachhaltigem Erfolg führte.
Dabei beschränkt sich ihr Einsatz bei weitem nicht auf die eigenen Reben und Weine. Als durchsetzungsfähige Verfechterin der Interessen einer ganzen Weinregion war sie die erste Frau, die in die Männerregie der Weinbauverbands-Präsidien vordringt. Und sich für die für Förderung der Position der Frauen stark macht: sowohl im produktiven und direktiven Bereich der Weinwirtschaft, als auch auf Seiten der Weinverkostung und des Weingenusses.

Von 2002 bis 2006 war Roy Blankenhorn Präsidentin von „Vinissima – Frauen & Wein e.V.“. Dieses erste bundesweit aktive Netzwerk der Wein-Frauen zählt mittlerweile 317 Mitglieder: Winzerinnen, Weinfachfrauen aus Gastronomie und Handel, Sommelière und Fachjournalistinnen. Die internationalen Partnerschaften reichen in alle europäischen Weinnationen: Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland, Ungarn, Österreich und in die Schweiz. 2003 war Roy Blankenhorn Mitbegründerin der International Associated Women in Wine, deren Vorstand sie ebenfalls angehörte.

Das Engagement von Roy Blankenhorn gilt aber nicht nur den Fachfrauen. Der Weingenuss der Damen liegt ihr ebenso am Herzen: „Sie kennen die Szenerie bestimmt“ sagt sie und schmunzelt: „Ein Paar, Frau und Mann, im Restaurant. Ein Kellner bringt zwei Speisekarten. Die Weinkarte – eine – reicht er dem Herrn. Der sucht aus, bestellt oder lässt sich beraten. Er bekommt die Flasche gezeigt, ein Glas gereicht, er probiert, nickt goutierend, bejaht. Dann schenkt der Kellner ein (natürlich zuerst der Dame). Also, als ob Frauen nicht schmecken oder partout nichts von Wein verstehen könnten! Das hat mich auf die Idee der Damen-Wein-Reise gebracht“. Es handelt sich um einen in Ort und Zeit variablen Gourmet-Event in ausgesuchten Spitzenhotels, bei dem wein-interessierte und wein-begeisterte Frauen in männerfreier (aber keineswegs männerfeindlicher!) Runde ausgesuchte Weine kennen lernen und genießen. Im Mittelpunkt der kulinarischen Abendveranstaltung stehen drei (jeweils auszuwählende) Spitzenweingüter: aus unterschiedlichen deutschen Anbaugebieten, von Frauen geführt und an diesem Abend natürlich von den Guts-Chefinnen persönlich präsentiert. Anstatt wie üblich den Wein auf das Menü abzustimmen, richtet sich das Menü nach den Top-Weinen, die zur Degustation ausgewählt werden und die den thematischen Mittelpunkt der genießerischen Unterhaltung bilden. Frei nach dem Motto „Degustieren, kommunizieren, amüsieren“. Die stetig wachsenden Teilnehmerzahlen und das ausnahmslose positive Feedback zeugen von einem durchschlagenden Erfolg.

Und der Wein selbst? Worin liegt der Unterschied, ob er das Werk eines Winzers oder einer Winzerin ist? „Also wir sind ja kein Kloster hier! Es sind weder ausschließlich Frauen, die zum guten Gelingen beitragen, noch tue ich jeden Handgriff ganz alleine. Schon deshalb wäre es schwierig bzw. ungerecht, ganz streng und objektiv von Frauen-Wein zu sprechen. Aber ich habe eine sehr genaue und natürlich eine weibliche Vorstellung davon, wie ein Blankenhorn Wein zu sein hat. Und sowohl diese explizit weibliche Vorstellung als auch das von einem weiblichen oder mütterlichen Führungsstil geprägte Klima des Weingutes, der Umgang, die Art und Weise, das alles schlägt sich natürlich im Ergebnis nieder.“ Roy Blankenhorn ist alles andere als eine Dogmatikerin. Von Emotion, Leidenschaft und Sinnlichkeit hatte sie eingangs gesprochen. Wer ihre Weine probiert, schmeckt und versteht, was unter Frauen-Wein zu verstehen ist.

(Textlänge mit Leerzeichen: 5.547 Zeichen. Weitere Presse-Informationen erhalten Sie gerne beim Weingut oder bei der Pressestelle.)

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