Schliengen, März 2008
Zu den Besonderheiten der Weinszene gehört ein selten diskutiertes Paradoxon: Es gibt Weingüter, bei denen sich ausgezeichneter Ruf und herausragende Qualität der Weine wider Erwarten gegenseitig relativieren. Die qualitative Konstanz der Erzeugnisse hat in diesen besonderen Fällen einen solchen Grad der Selbstverständlichkeit erreicht, dass sie nicht mehr als Meldung taugt. Der allgemeinen Wahrnehmung bleibt dabei vorenthalten, mit welchen Superlativen und Besonderheiten diese Güter zudem aufwarten. Ein hervorragendes Beispiel ist das traditionsreiche Weingut Blankenhorn aus Schliengen im südbadischen Markgräflerland.
Zur Historie des Weingutes hier nur das Elementarste: Der Stammbaum der badischen Blankenhorns lässt sich bis an den Beginn des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen. Den Grundstein des Weingutes in seiner heutigen Gestalt legte Johann Friedrich Blankenhorn, als er 1857 die damalige Poststation einschließlich der zugehörigen Tonnen- und Kreuzgewölbekeller aus dem Jahr 1624 ersteigerte und zum schnell erblühenden Familien- und Firmensitz der Landwirte und Weinbauern Blankenhorn ausbaute.
Ein verheerender Bombenangriff im zweiten Weltkrieg legte das Gut in Schutt und Asche. Klaus Blankenhorn, „Häuptling“ der vierten Generation, damals noch keine dreißige Jahre alt, wagte das Risiko des Wiederaufbaus im alten Stil. Zum Mut gesellten sich Können und folglich auch der Erfolg. Seit 1961 widmen sich die Blankenhorns ausschließlich dem Wein. 1973 schrieb Klaus Blankenhorn ein Stück Markgräfler Weingeschichte, indem er als erster Winzer die Weinbergsböden begrünte. 1986 gab es wieder einen Superlativ zu feiern: Die über Jahrzehnte praktizierte Verpflichtung des Weinguts zu höchster Qualität – alljährlich bestätigt durch den überdurchschnittlichen Anteil an Prädikatsweinen – wurde mit der Aufnahme in den Verband deutscher Prädikatsweingüter (VDP) honoriert. Unter den bis heute nur 15 Mitgliedern aus gesamt Baden ist Blankenhorn das südlichst gelegene Gut in dieser exklusiven Runde.
Die Blankenhornsche Rebflächen betragen rund 25 Hektar. Tiefgründige und wärmespeichernde Lehm- und Kalk-Mergel-Böden mit hohem Tonanteil. Bewirtschaftet werden sie mit teilweise sehr alten Rebanlagen. Im zehnjährigen Schnitt produziert Blankenhorn nur 65 Hektoliter Wein pro Hektar. Im Sortenspiegel dominieren heute mit 30 Prozent der Gutedel und mit 25 Prozent der Spätburgunder. 15 Prozent Weiß- und zehn Prozent Grauburgunder, sieben Prozent Riesling und fünf Prozent Chardonnay vervollständigen die Sortenvielfalt.
1994 ist ein Jahr der Zäsur – und der Beginn der Aktualität: Klaus Blankenhorn übergibt die Leitung des Weingutes an Rosemarie, eine seiner vier Töchter. Mit Roy, wie Rosemarie sich seit ihrem zweiten Lebensjahr nennt, kommt nicht nur der frische Wind, den ein Generationswechsel üblicherweise mit sich bringt; mit Roy hält Frauenpower in seiner schönsten Ausprägung Einzug in die ehrwürdigen Gewölbe: viel Energie, viel Elan und vor allem sehr viel Emotion. Wieder ein Superlativ: Roy Blankenhorn ist die erste Frau, die in Eigenregie an der Spitze eines Weingut steht und es mit nachhaltigem Erfolg führt. Und sie wird die erste Frau sein, die in die Männerregie der Weinverbands-Präsidien vordringt.
Die hohe Kunst des Weinhandwerks hat Roy Blankenhorn von der Pike auf gelernt und mit Diplom bestanden: Erst die Winzerlehre bei Bercher in Burkheim und Schlumberger in Laufen, anschließend das Studium der Weinbautechnik in Veitshöchheim bei Würzburg. Die Fähigkeit, Wein als lebendigen Kult zu zelebrieren, zu erschließen und erlebbar zu machen, bewies und perfektionierte Roy Blankenhorn Ende der 70er Jahre zunächst als Badische Weinkönigin, später als Deutsche Weinprinzessin. Also wahrhaft prädestiniert und bestens „präpariert“ für ihre neue Rolle: Eine das Weingut prägende Persönlichkeit, eine starke Identifikationsfigur für die bestehenden und zukünftigen „Fans“ und Verehrer der Blankenhornschen Erzeugnisse, und nicht zuletzt eine durchsetzungsfähige Verfechterin der Interessen einer ganzen Weinregion.
Wahrung und Stärkung der Blankenhornschen Qualitäts-Tradition war von Anfang an eine der beiden Prämissen von Roy Blankenhorns Tun an der Spitze des Weinguts. Mit dem jungen Fritz Deutschmann engagierte sie einen kongenialen Partner als Kellermeister, der mit profundem Wissen und unermüdlichem Einsatz Ideen und Konzepte in die Tat umsetzte und Jahr für Jahr hervorragende Resultate erzielte. Als Fritz Deutschmann seinen Tätigkeitsschwerpunkt in die Politik verlegte, blieb Roy Blankenhorn ihrer Linie treu, auf junge Talente zu setzten: Seit 2005 hat Deutschmanns Meisterschüler Frank Schmid das Sagen – und auf die Qualität seiner Weine wäre sogar der Lehrmeister stolz.
Die zweite Prämisse besteht in der Förderung der Position der Frauen mittels Vernetzung und Austausch: sowohl im produktiven und direktiven Bereich der Weinwirtschaft, als auch auf Seiten der Weinverkostung und des Weingenusses.
Der griffigste, weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Ausdruck dieses Engagements ist Blankenhorns Präsidentschaft bei Vinissima – Frauen & Wein e.V. 1991 von sieben Frauen aus der Taufe gehoben, zählt das erste bundesweit aktive Netzwerk der Weinfrauen inzwischen 317 Mitglieder, Winzerinnen, Weinfachfrauen aus Gastronomie und Handel, Sommelière und Fachjournalistinnen. Die internationalen Partnerschaften reichen in alle Weinnationen: Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland, Ungarn, Österreich und in die Schweiz. 2003 war Roy Blankenhorn Mitbegründerin der International Associated Women in Wine, deren Vorstand sie ebenfalls angehörte.
Den weiblichen Weingenuss hat Roy Blankenhorn mit einer cleveren Marketing-Idee in neue Dimensionen geführt: der Damen-Weinreise. Ein exklusiver, in Ort und Zeit variabler Gourmet-Event, bei dem wein-interessierte und wein-begeisterte Frauen in männerfreier (aber keineswegs männerfeindlicher!) Runde ausgesuchte Weine kennen lernen und genießen. Die stetig wachsenden Teilnehmerzahlen und das ausnahmslose positive Feedback zeugen von einem durchschlagenden Erfolg.
2007 erhielt Roy Blankenhorn nach einem neuerlichen, dreijährigen berufsbegleitenden Studium als erste der badischen Weinwirtschaft das Diploma in Wine & Spirit. Eine international anerkannte Qualifikation für Weinfachleute in Handel, Gastronomie und Produktion. Und welche Pläne hegt die energiegeladene Mutter von drei Töchtern für die Zukunft? „Den Status quo vermeiden“, antwortet sie und lacht. Viel verraten möchte sie nicht. Nur das sickert durch: Die im Jubiläumsjahr 1997 gegründete Gutsschänke soll eine kulinarische Topadresse im Dreiländereck Frankreich-Schweiz-Deutschland werden. Und im Geiste reifen und gedeihen natürlich schon wieder ganz neue Kreationen: Weine, die zu machen sich nur traut, wer sein Können mehr als hinlänglich bewiesen hat.
Weitere Informationen erhalten Sie gerne bei dem:
Weingut Blankenhorn
Kontakt: Roy Blankenhorn
Basler Straße 2
D-79418 Schliengen
Telefon (0 76 35) 8 20 00
Telefon (0 76 35) 8 2 00 20
info [at] gutedel [dot] de
www.gutedel.de
oder bei der Pressestelle
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| Blankenhorn_Portrait_2008_Text.doc | 135.5 KB |
| Blankenhorn_Portrait_2008_Text.pdf | 152.71 KB |
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Blankenhorn: Das Weingut | Download (RGB) |
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Blankenhorn: Eingang Weingut | Download (RGB) |
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Blankenhorn: Mitglied VDP | Download (RGB) |
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Blankenhorn: Roy Blankenhorn | Download (RGB) |
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Blankenhorn: Kellermeister Frank Schmid | Download (RGB) |
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Blankenhorn: Ein Team, ein Ziel | Download (RGB) |
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Blankenhorn: Gewölbekeller | Download (RGB) |
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Blankenhorn: Weinfässer | Download (RGB) |
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Blankenhorn: Terrasse der Gutsschänke | Download (RGB) |
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Blankenhorn: Gutsschänke | Download (RGB) |